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Die Systemgesetze

Menschen leben in Beziehung zu anderen Menschen. Ich und Du bilden das kleinste System; jeder Zusammenschluss von Menschen ist ein System; jedes Paar, jede Gruppe, jedes Unternehmen, jede Abteilung, jede Institution, jeder Verein, jede Partei. Jeder Mensch ist Teil mehrerer und verschiedener Systeme.
Damit das Zusammenleben funktioniert, müssen die Systemgesetze gelebt werden. Diese haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte als Basis des Zusammenlabens herausgebildet und über Jahrtausende das Überleben der Menschen gesichert.

1. Recht auf Zugehörigkeit/kein Ausschluss

Jeder hat das Recht auf Zugehörigkeit. Es hat in der Menschheitsgeschichte das Überleben gesichert. Deshalb ist es auch heute noch von existenzieller Bedeutung. Jedes Mitglied eines Systems gehört dazu und muss dazu gehören dürfen.

Beispiel:
Wenn in früheren Jahrhunderten Menschen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, bedeutete das in der Regel den sicheren Tod.
In der katholischen Kirche ist bis heute die Exkommunikation – der Ausschluss aus der Gemeinschaft – die höchste Strafe.

2. Anerkennung/Wertschätzung/Respekt

Anerkennung, Wertschätzung und Respekt braucht jedes Mitglied des Systems und muss ihm/ihr auch zuteilwerden. Anerkennung, Wertschätzung und Respekt können wir auch ergänzen um Würdigung und Dankbarkeit. Sie sind an keine Bedingung gebunden. Und genauso wenig wie Liebe oder Zuneigung eingefordert werden kann, muss Anerkennung, Wertschätzung und Respekt vorhanden sein und geschenkt werden, damit das System funktioniert.

3. Gleichgewicht von Geben und Nehmen

Für jedes Mitglied eines Systems muss das Geben und Nehmen im Geleichgewicht sein. Das Geben und Nehmen kann nicht gemessen, gewogen oder bewertet werden; es ist ein gefühltes Gleichgewicht. Anerkennung bringt die Waage von Geben und Nehmen ins Gleichgewicht.

Beispiel:
Drei Kinder müssen sich um die alt gewordene Mutter kümmern. Aus praktischen Gründen können das nicht alle drei mit gleichem Anteil leisten. Wesentlich ist jedoch, dass der Einsatz des Einen von den Anderen anerkannt wird.

4. Früher vor später

Derjenige, der einem System länger angehört, hat stets Vorrang vor dem, der weniger lang dabei ist.
Wir spüren diese Verletzung im Alltäglichen, wenn sich jemand in der Schlange an der Supermarktkasse vordrängelt oder im Stau auf der Autobahn sich ein Wagen vor uns reinquetscht.
Dieses Gesetz wird ganz oft in Unternehmen verletzt, wenn z.B ein neuer Chef eingestellt wird, wenn ein Mitarbeiter, der erst kurze Zeit im Unternehmen ist, an den schon viel länger im Unternehmen Mitarbeitenden vorbei befördert wird, wenn das Unternehmen verkauft wird und die neuen Inhaber das gewachsene System ignorieren o.ä. Diese Verletzungen führen zu Frustration, Demotivation, Produktivitätseinbuße. Daher hilft es, bei jeder Veränderung im Unternehmen die Auswirkungen auf das System zu bedenken, mit den betroffenen Mitarbeitern zu sprechen, um mögliche Verletzungen anzusprechen. (siehe Systemgesetz 9 und 10)

5. Höhere Verantwortung hat Vorrang

Verantwortung und Einsatz für das Ganze sind in den Systemen unterschiedlich verteilt und  – ohne Führung geht es nicht!

6. Mehr Kompetenz hat Vorrang

Die höhere Kompetenz auf welchem Gebiet auch immer – muss von allen anerkannt werden. Dies gilt auch für den Vorgesetzten.

7. Neues System hat Vorrang vor altem System

Bis hierher gewinnt der Leser den Eindruck, dass Veränderung oder Erneuerung nicht sein darf. Ein neues System hat sogar Vorrang. Voraussetzung ist allerdings, dass die bisher o.a. Systemgesetze eingehalten und gelebt werden. Also der neue Chef das bisher Erreichte anerkennt und würdigt, die Menschen in ihren Positionen wahrnimmt und wertschätzt.

8. Gesamtsystem hat Vorrang vor Einzelinteressen

In allen Mannschaftssportarten wird dieses Gesetz gelebt, weil ansonsten die Mannschaft nicht erfolgreich ist. Das funktioniert reibungslos, wenn die Teammitglieder und der Trainer die Leistungen jedes Einzelnen anerkennen und würdigen können.

Zur Auflösung von Systemgesetzverletzungen:

9. Aussprechen/anerkennen, was ist

Systemverletzungen sind im Zusammenleben mit Anderen nicht zu vermeiden. Sobald eine Systemgesetzverletzung erkannt wird – am besten bevor eine Veränderung eingeleitet wird – muss dem Verletzten gegenüber anerkannt werden, dass es diese Verletzung gibt.
Entscheidend ist: der Verletzte muss erkennen, dass dieser ihn nicht verletzen wollte und dass es ihm leid tut.

10. Ausgleich schaffen

Ausgleich schaffen bedeutet:
Das anbieten, was der Verletzte braucht, um mit dieser Verletzung leben zu können.